Zünglein an der Waage? - Gewässerökologische Bewertung von Tagebauseen

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie ist eine Bewertungsvorschrift für Gewässer, die das Wohlbefinden von Organismen in den Vordergrund stellt. Für Tagebauseen als künstliche Gewässer soll ein ökologisches Potenzial erreicht werden, das dem Zustand in ungestörten natürlichen Seen nahe kommt. Extrem saure natürliche Seen mit derart ungewöhnlicher Ausbildung der Seeform gibt es in Europa nicht. Deshalb stellt die Bewertung der Tagebauseen eine große Herausforderung nicht nur für Limnologen, sondern alle Wasserwirtschaftler in der Bergbaufolgelandschaft dar. Hier ist eine sehr enge Zusammenarbeit der Gewässerökologen mit Wasserwirtschaft, Wasserchemie und -physik, Wassertechnik und Gewässer- und Einzugsgebietsmanagement gefragt. Ob es um die künftige Wasserbeschaffenheit des Cottbuser Ostsees, die ökologische Wirkung von Säure, Sulfat und Eisen auf Organismen oder der Verbringung von Eisenschlämmen in Seen oder bauliche Maßnahmen geht - ohne limnologische Zustandsanalyse und Prognose läuft nichts. Am Beispiel des Cottbuser Ostsees lassen sich vielfältige Aspekte der limnologischen Forschung und Zusammenarbeit zwischen den Wasserdisziplinen demonstrieren. Wir sind aber auch gefragt, wenn es um die Entwicklung der Seewasserbeschaffenheit im Rheinischen Revier geht, wo die größten Tagebauseen Deutschlands entstehen werden.

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