Ringvorlesung: Zur Entwicklung der Wasservogelbestände auf sächsischen Tagebauseen sowie dem Cottbuser Ostsee

13.10.2026

Überwinternde Blässhühner auf dem Bärwalder See (Foto: J.Bellebaum)

Die Vorlesung gliedert sich in zwei separate Vorträge.

 Dr. Jochen Bellebaum:
„Talsperren und Tagebauseen in der Oberlausitz als Rastgewässer für Wasservögel“

 Seit 1930 entstanden in der sächsischen Oberlausitz durch die Flutung ehemaliger Braunkohlentagebaue und zwei Talsperren mehr als 88 km² Seenfläche (31 % der Standgewässerfläche in Sachsen). Die z. T. stark sauren Seen wurden durch Maßnahmen der LMBV aktiv neutralisiert. In den neugeschaffenen Seen haben sich innerhalb weniger Jahre nach der Flutung und Neutralisierung des Seewassers umfangreiche Pflanzenbestände und darauf aufbauende Lebensgemeinschaften entwickelt. Armleuchteralgen, Tausendblatt und Wasserpest sind unmittelbare Nahrungsgrundlage für pflanzenfressende Wasservögel und beherbergen eine artenreiche Wirbellosenfauna und Jungfische als Nahrungsgrundlage für weitere Arten. Seit 2010 hat sich eine besondere Gemeinschaft aus Vogelarten der Küstengewässern entwickelt. Hohe Rastbestände finden sich in den Wintermonaten Dezember bis Februar vor allem auf den beiden größten Tagebauseen. Der Berzdorfer See, der die größten Bestände von Characeeen aufweist, und der Bärwalder See als größter Tagebausee erreichten seit 2012 nationale Bedeutung als Rastgewässer (> 1 % des deutschen Rastbestandes).

 

Ralf Zech
 

Für den Cottbuser Ostsee werden Zählergebnisse zur Entwicklung der Wasservogelbestände auf dem neu entstandenen Gewässer dargestellt. Besonders in den ersten beiden Jahren nach der vollständigen Flutung versammelte sich ein breites Spektrum an Wasservogelarten in zum Teil enormen Größenordnungen. Die Rastzahlen aller Wasservögel insgesamt, von über 20.000 Individuen, sowie die Maximalzahlen von Tundrasaatgans, Schnatterente, Kolbenente und Blessralle erreichten das 1% Kriterium für ein international bedeutendes Gebiet. Zudem sind die registrierten Ansammlungen bei sieben weiteren Arten national bedeutend. Die Brutgemeinschaft von Lachmöwen, Kiebitz, Flussregenpfeifer und Rotschenkel ist regional herausragend. Es wird auf Möglichkeiten eingegangen, wie der erlangte Wert des Cottbuser Ostsees für Wasservögel bei den zukünftigen Nutzungen Berücksichtigung finden könnte.

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