Ringvorlesung: Wasserüberfluss oder Wassermangel in Gewässern 2. Ordnung im Lausitzer Braunkohlenrevier?

13.01.2026

Radensdorfer Fließ im März 2023 sowie im September 2022 (Quelle gIR)

Die jahrhundertelange Braunkohlegewinnung im Lausitzer Revier hat erhebliche Spuren im Wasserhaushalt und darüber hinaus im Unterlauf der Fließgewässer hinterlassen. Die bergbauliche Absenkung des Grundwassers zur Kohleförderung hat zur Bildung großer Grundwasserabsenkungstrichter und in der Folge zum Austrocknen vieler Gewässer geführt. Andererseits wurde das gehobene Sümpfungswasser gezielt in einige Fließgewässer, wie beispielsweise die Spree, eingeleitet. Deshalb leiden diese Fließgewässer nicht nur unter Wassermangel, sondern weisen einen künstlichen Wasserüberschuss auf.

Mit dem Ende der Braunkohlegewinnung wird das Grundwasser wieder ansteigen und aus den Tagebauen werden neue Seen entstehen. Dadurch werden sich die Grundwasserstände und somit der Wasserhaushalt in der Lausitz wesentlich ändern. Die Abflüsse in den Fließgewässern werden sich den "neuen Realitäten" anpassen. Ob damit ein Wasserüberfluss oder Wassermangel verbunden sein wird, damit beschäftigt sich der Vortrag.

Spätestens seit der sogenannten UBA-Studie aus dem Jahr 2023 stellt sich in der wasserwirtschaftlichen Planung zunehmend die Frage, welche Abflüsse sich in Fließgewässern zukünftig unter natürlichen Bedingungen einstellen werden. Von besonderem Interesse ist dabei der mittlere Niedrigwasserstand, der im Wesentlichen dem grundwasserbürtigen Anteil, also dem Basisabfluss, entspricht.

Aktuell werden die Abflussverhältnisse meist nur an größeren, wirtschaftlich oder ökologisch bedeutenden Fließgewässern systematisch erfasst. Kleinere Gewässer, die angesichts sinkender Grundwasserstände künftig zeitweise oder dauerhaft trockenfallen könnten, werden hingegen nur selten überwacht. Gerade diese meist in Quellgebieten liegenden Gewässer 2. Ordnung sind jedoch für das Abflussgeschehen in den Hauptvorflutern von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Um dennoch Aussagen über die künftige Abflussentwicklung in diesen wenig beobachteten Fließgewässern treffen zu können, wurde ein Verfahren entwickelt, das trotz geringer Datenverfügbarkeit erste Prognosen ermöglicht. Grundlage ist ein einfaches numerisches Verfahren, das auf den landesweit vorliegenden Daten sowie auf Prognosen zukünftiger Grundwasserstände basiert.

Im Vortrag werden die wesentlichen wasserwirtschaftlichen Zusammenhänge dargestellt sowie das Verfahren und seine Anwendungsmöglichkeiten zur Prognose der zukünftigen Abflussverhältnisse anhand ausgewählter Praxisbeispiele vorgestellt.

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